Eistauchen im Januar 2009

Nach dem kalten Jahreswechsel und dem Schnee, der für Düsseldorfer Verhältnisse ungewöhnlich lange liegen geblieben ist, waren jetzt nach dem Dauerfrost auch viele Teiche, Seen und Kiesbaggereien zugefroren. Auf dem Unterbacher-See tummelten sich in den letzten Tagen Schlittschuhläufer, Eissurfer, Rodler. So war auch der Elbsee, unser Tauchsee, ganz zugefroren. Das geschieht relativ selten, da er viel tiefer als z.B. der Unterbacher See ist.

Ab einer Eisstärke von 8 cm könnte man ihn auch relativ sicher betreten. Die hatte der Elbsee jedoch nicht. Um so unverantwortlicher war es dann, wenn am Wochenende trotzdem einige wenige Schlittschuhläufer ihre Runden gezogen haben.

Dieses kalte Winterwetter, dazu noch mit strahlendem Sonnenschein hat dann in erster Linie die Rettungsorganisationen so z.B. die DLRG überall an den Start gebracht. Endlich konnte man unter relativ realistischen Bedingungen Rettungsübungen z.B. die Rettung bei Eiseinbruch trainieren.

Auch die Hardliner der Taucher, die ganzjährig ins Wasser gehen, bekamen offensichtlich glänzende Augen. Endlich konnte man richtig Eistauchen. Am See war der Parkplatz am Sonntag so voll, wie an einem gut besuchten Sonntag im Sommer. Viele der dort anwesenden nutzten ihre schon gesammelte Erfahrung mit dem Eistauchen und tauchten unter der Eisdecke ab.

In einer recht spontanen Aktion, so etwas lässt sich einfach nicht langfristig planen, hat dann die DLRG Ortsgruppe Hilden ein Eistauch-Brevet am Elbsee angeboten. Drei Seeteufel waren mit dabei: Wolfgang Winkler, Georg und ich. Erst galt es das Hintergrundwissen zu erlernen, geprägt wie meistens beim Tauchen, von vielen Sicherheitsinformationen aus dem technischen Bereich, der Physik und Medizin. Dann wurde erklärt, wie man einen sicheren Tauchgang unter Eis durchführt und organisiert. In praktischen Übungen mussten noch einmal Knoten wiederholt werden. Der allseits irgendwann beherrschte Palstek wurde noch einmal intensiv geübt. Nach 2 Stunden Theorie ging es dann zur Gruppeneinteilung, um endlich unter das Eis zu kommen. Auch da stand noch die Sicherheit im Vordergrund. Georg, der mit seinem Trocki schon immer auf Kriegsfuss stand und auch seine Ausrüstung umgebaut hatte und mit einem neuen Jackett tauchen wollte, machte die Sorge, im See bei einem Problem nicht auftauchen zu können, doch zu viele Gedanken. Er folgte der Vernunft und ging nicht mit der ihm unbekannten Ausrüstung ins Wasser. Das zeichnet einen vernünftigen Taucher aus.

Die DLRG hatte alles bestens organisiert. Vielen Dank an Niko und Volker und die anderen! Während unseres Theoriekurses waren schon zwei Löcher am Surfstrand in harter Arbeit ins Eis geschlagen worden, die uns als Einstieg dienten. Eine Tauchgruppe bestand aus 3 Personen. Ein Sicherungsmann blieb an Land. Im Wasser waren der Führungstaucher und sein Buddy. Der Sicherungsmann hatte eine 50 m lange stabile Leine, mit der der Führungstaucher durch Palstek und Karabiner verbunden war. Er hielt die Leine beim ganzen Tauchgang zusätzlich in der Hand, um so über vorher erlernte Leinensignale mit dem Sicherungsmann an Land in Kommunikation zu bleiben. Der Buddy war mit dem Führungstaucher auch durch eine kurze Leine verknüpft. So war gewährleistet, dass der Sicherungsmann im Notfall nur die Leine einziehen musste. Er hatte dann wie an einer Angel die beiden Taucher am Haken und diese fanden so das Einstiegsloch immer wieder. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit. Noch konnten Wolfgang und ich ?Nein? sagen. Wir guckten uns an und dachten wohl das Gleiche. ?Warum tun wir uns das an? Sind wir nicht schon zu alt dazu?? Aber dann nahmen wir uns beide ein Herz und ab ging es.

Natürlich waren wir in getrennten Gruppen, da wir ja die Neulinge waren. Aber wir waren die Führungstaucher, um das erlernte Wissen anzuwenden, gut beobachtet von unseren erfahrenen Buddies. Erst einmal vorsichtig über das spiegelglatte Eis zum Einstiegsloch hin. Davor hatte ich die meiste Angst. Nach meiner Meniskusoperation wollte ich auf keinen Fall ausrutschen, um mich zu verletzen. Aber wer will schon auf einer Eisplatte mit kompletter Ausrüstung hinfallen. Das kann wirklich gefährlich werden: also, egal wie das aussieht, ab auf den Hosenboden und auf dem Po zum Loch gerutscht. Mit der Leine in der Hand und einem Blick zu meinem Sicherungsmann und zu meinem Buddy Otti ging es dann langsam unter das Eis. Dort war es etwas dämmrig, da ja durch das Eis nicht so viel Licht kam, wenn auf der Eisplatte Schnee liegt. Wir hatten einen einfachen Geradeauskurs festgelegt und es galt eine Tiefenbegrenzung von 6 m. Weit konnte man ja auch nicht tauchen, da die Sicherungsleine nur 50 m lang war. Es sollte ja auch nichts als ein Tauchgang zum Genießen werden. Das war beim ersten Tauchgang unter Eis gar nicht so einfach, da man doch recht angespannt war. Auf einmal gab es 5 Züge an meiner Führungsleine. Was hieß das noch mal? Ach ja, der Sicherungsmann an Land fragte an, ob alles ok ist. Also schnell bestätigen: 5 mal an der Leine ziehen, um dem Mann an Land anzuzeigen, wir fühlen uns wohl.

Und weiter ging es, ganz langsam. Und immer wieder ein Blick nach oben. An den Stellen, an denen das Eis fast durchsichtig war, glänzte von oben die Sonne durch. Wunderschön! Auch unsere Luftblasen, die nur bis zur Eisfläche vordringen konnten und dann seitwärts wegperlten, waren schön zu beobachten. Oh, zu viel nach oben geschaut, schnell wieder den Kompasskurs aufgenommen, und vor allem auf die Tarierung geachtet! Dadurch, dass ich etwas mehr Blei als sonst dabei hatte, und immer wieder nach oben zum Eis geschaut habe, war ich nicht so sorgfältig austariert und tauchte etwas Jojo. Die Anspannung tat wahrscheinlich ihr übriges.

Auf einmal ruckte es 2 mal am Seil. Also, 90 Grad nach links. Warum wussten Otti und ich nicht. Aber unser Mann an Land hat ja unsere Blasen gesehen und konnte so unseren Kurs korrigieren. Schnell antworten: 2 mal an der Leine ziehen und unser Sicherungsmann wusste, wir haben ihn verstanden. Nach ca. 8 min kam auf einmal die Anweisung durch 4 mal ziehen: Kommt zurück. Na gut, ich schaute zu Otti und zeigte ihm an, dass wir zurückkommen sollten. Schnell überlegte ich, wie war noch der Rückkurs? Aber das war gar nicht nötig. Mein Sicherungsmann hatte mich ja an der Angel und zog uns ganz allmählich und gemächlich wieder zum Einstiegsloch zurück. Dort standen viele hilfreiche Hände, die mir vorsichtig wieder auf die Beine halfen. Dann, wie meistens nach dem Tauchen, setzte so allmählich ein Glücksgefühl ein. Geschafft! Ich konnte dann auch noch in ein Stück selbstgebackenen Apfelkuchen beißen, den Monika und Jochem als Zuschauer mitgebracht hatten. Mmh, welch schöner Abschluss.

Nach dem Umziehen hörte man doch, dass fast alle Neulinge, egal wie viel Taucherfahrung sie vorher schon hatten, mit irgendwelchen kleinen Problemen gekämpft haben. Entweder hatte man zu wenig Blei und musste nachlegen, um überhaupt abtauchen zu können, oder es gab ständig Wasser in der Maske oder wie bei mir, war die Tarierung nicht vom Feinsten. Auch das war wie immer: erst Übung macht den Meister. Aber trotzdem musste das wichtigste Leinensignal: 1 mal ziehen für SOS, nicht einmal gegeben werden. Man konnte so auch die Voraussetzungen für ein Eistauchbrevet verstehen: Mindestens CMAS **, Nachttauchbrevet und 100 Tauchgänge. Als Abschluss gab es noch das übliche Nachbriefing in einem der neuen Häuser, das die DLRG Hilden freundlicherweise für unseren Kurs zur Verfügung gestellt hatte. Alle waren zufrieden. Niko und Volker hatten ein Super-Hilfsteam, die Theorie und Praxis hatten viel Spaß gemacht. Es war alles sehr gut durchorganisiert. Und es war auch kein Problem durch den ganz kurzfristig angesetzten Termin spontan teilzunehmen. Die DLRG hatte alles gut vorbereitet. Schön war, dass wieder einmal mehrere Vereine etwas gemeinsam gemacht haben. Der DTV ist eine sehr wichtige Verbindung, die alle Taucher am See zusammenbringt und auch bei "Den Anderen" findet man sehr nette Leute, nicht nur im eigenen Verein. Ich persönlich habe mich gefreut, wieder viel dazu gelernt zu haben und nach einem schönen Tauchgang zehre ich sicherlich noch lange vom letzten Sonntag.

Gudrun