Kapverden 2005

Andreas Sadlo: Meine persönlichen Erlebnisse in Form eines Reiseberichts

SIR ROBERT BADEN POWELL (SR BP)
LÜA 42 m, LWL 32 m, L Schiff 36 m, ehemaliger Hochseesegelschlepper und Segeleisbrecher.
Hier könnt ihr das Schiff sehen.

Östlicher Mittelatlantik / Winterreise 2005 / Kapverdische Inseln (Republica Cabo Verde)

Segel & Tauchkreuzfahrt rund um die "Ilhas de Sotavento" -Inseln unter dem Winde- mit dem Traditionssegler, Baltimore Clipper SR BP (Toppsegelschoner mit Fockbaum und Klüver, 4 Stück) (Groß- und Schonermast mit Rahsegeln - Mars- und Bram -)

Route Sal - Boa Vista - Santiago - Fogo - Brava - Fogo - Santiago
Vom 05. 02. - 19.02.2005 (14 - 16 Grad n.B. / 23 - 25 Grad w.L.)

1. Tag / Sa, 05.02.05 :

Ankunft in Sal, Karin heißt uns "Willkommen" am Internationalen Flughafen Amilcar Cabral. Skipper Karsten begrüßt uns im Hafen Palmeira. Das Unternehmen SR BP, Karin und Karsten einschließlich Crew, sagen uns "Willkommen an Bord". Wir tanken 20 m³ Trinkwasser (dauert 8 Stunden) und verlegen nachts den Baltimore Clipper auf die Reede Palmeira. Bild075.jpg

2. Tag / So, 06.02.05 :

Morgens verlegen wir den Baltimore Clipper (dies ist ein Schnellsegler, wofür die Gaffeltakelung, genauer der grundsätzliche, moderne Dreieckssegelschnitt entscheidend ist) von Palmeira nach Santa Maria. P 207 000 6
Dort zwei Check-Tauchgänge in der brauchbaren Strömung am Riff, beim "Ponta do Leme Velho" (Sogtauchtang) und ein Schwelltauchgang am von Holger (immer unser Tauchbegleiter, TL***) gesteckten Tauchplatz "Treis Grotas".
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3. Tag / Mo 07.02.05:

Schöne Segelstunden bringen uns nach Boa Vista. Wir ankern vor dem Ort "Sal Rei" bei gut ausreichender Wassertiefe (Achtung; das Wasser vor Sal Rei ist gefährlich flach vor Sal Rei). Diesen Ort besuchen wir heute, am Rosenmontag, vor dem Abendessen. Beim Abendessen besprechen wir den nächsten Tag und wir lauschen der Furana-Musik, die vom Ort
her unser Schiff durchdringt.

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4. Tag / Die, 08.02.05 :

Ausflug mit zwei Aluguers (Pick Ups). A) Über den von Palmoasen (einer Art der Königspalme) und von weißen Sanddünen geprägten Nordteil der Insel Boa Vista. Wir gelangen zur Nordküste, "Costa de Boa Esperanca", der Küste der freudigen Erwartung.

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Dort, auf den ausgedehnten, untermeerischen Riffen strandeten allein 52 Schiffe, deren Ladungen gleichfalls für ein von Zeit zu Zeit angemessenes zusätzliches Auskommen für die wenigen Insulaner beitragen konnten.
B) Fahrt und Mittagspause mit Rotwurst- und Käsebroten und Wasser in der "Deserta da Vania", im Windschatten einer weißen Mimose.

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C) Spaziergang bei der alten Ziegelei, in deren Umfeld uns der mächtige gelbblühende "Spargel" einer Cistanche begrüßt. Dieses, aus Wurzeln anderer Pflanzen bis zu einem halben Meter aufwachsende, parasitisch lebende Gewächs, wird in der traditionellen chinesischen Medizin als allgemeines Stärkungsmittel verwendet (Unterarten sind endemisch in den mongolischen und chinesischen Halbwüsten).
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D) Nach der angemessenen Nachmittagspause in einem sich in italienischer Hand befindlichen, großzügig eingerichteten und mit allen Bequemlichkeiten ausgestatteten Hotel, fahren wir zurück nach Sal Rei bzw. auf's Schiff und übernachten dort.

5. Tag / Mi, 09.02.05 :

Wir fahren unter Motor (Mitsubishi HD 150 PS, der bringt's voll, auch bei jedem Wetter über den Atlantik, dauert dann nur seine Zeit) entlang der Westküste von Boa Vista, wir wollen ankern und tauchen an der Südküste. Beim dafür angestrebten Riffbereich, "Ilheu de Curral Velho", stehen aber der Nordostpassat mit Windstärke 6 und die Strömung zu stark entgegen, unseren taucherischen Wünsche bleiben dort unerfüllt. Wir drehen also den Clipper bei und um, setzen die Segel, bei nahezu back stehendem Wind. Mit dem Traditionssegler wollen wir das sehr schwierige Butterfly-Segeln packen. Und trotz den Bullentaljenbrüchen (Großmast und Schonermast), Schekelbruch (Großbaum) und Blockfall (Schonerbaum), rauschen wir schließlich majestätisch hinüber nach Santiago. Bernd04.JPG
Vorbei geht's dabei an der "vergessenen" Ilha de Maio. Wir ankern in der Bucht von "Tarrafal", gehen Einkaufen beim Markt, was es noch gibt: Kürbis, Süsskartoffeln, Äpfel (Maca), Papaias (Mamao), Bananen (Platanos) und einen Sack voll Brot (Pao). Wir besuchen den Ort, betrachten den Palmstrand mit Hotel, vergnügen uns im Cafe-Restaurant, mit Blick weit über den Strand, genießen beim Sonnenuntergang die blaue Stunde und die plötzlich eintretenden grünen Minuten. Karsten kommt, wir bleiben über Nacht vor Anker.
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6. Tag / Do, 10.02.05 :

Zwei Tauchgänge einschließlich Early-Morning-Dive führen wir durch am "Ponta Preta" bei Tarrafal. Wir fahren unter Motor entlang der Westküste von Santiago (im 18. Jahrhundert der größte Sklavenhandelsort der Welt), wir wollen tauchen am Riff bei "Ponta de Janela" (der Fensterplatz, von wo fast die gesamte Westküste überblickt wird).
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Hier wird ein spannender Nachmittagstauchgang durchgeführt, z. B. weil der Clipper hier aufgrund der Wassertiefe von über 100 m nicht vor Anker liegt, sondern aufkreuzt, abtreibt durch Druck von Wind und Strom, zurück zugeht, um dem Dinghi nahe zu liegen. Dann Weiterfahrt und am Ende ankern wir auf 45 m Tiefe, nahe des Albatros-Inselchens (der Braune Albatros findet hier Brutplätze). imm001_27.jpg
Hier ist die weite "Baia des Santa Clara" bzw. "Baia de Inferno", die Bucht der sanften heiligen Clara oder der Hölle. Nämlich dann, wenn der Wind plötzlich dreht, oder aufkommender Schwell das Schiff stürzt, gegen die steilen Schlote der senkrecht aufsteigenden, von Basaltgestein aufgefüllten vulkanischen Felswände. Daher erfolgt in der Nacht die hier notwendige Ankerwache, die sich erschreckt vor den nächtlichen Tönen. Nein, kein Ungetier, sondern Drosselvögel, die ihren Gesang ab 4,00 Uhr morgens üben.
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7. Tag / Frei, 11.02.05 :

Sobald es hell ist, kreischen die weißen Tropic-Birds bei ihren Flugspielen. Mit ihren gegabelten Schwänzen segeln sie dann majestätisch entlang der Küste nach Süden hin. In der "Baia des Santa Clara ou do Inferno" gibt die Morgensonne ein gewaltiges Bild frei. Dieses zeigt die Gesteinsadern, Schlote und Kamine, Basaltklippen, schraubenförmig in den aufgefüllten Vulkanschlot eingedrehte Magmatite und von Asche aufgefüllten Gasadern, die unser Schiff umgeben. Schlot.jpg
Wir führen drei Tauchgänge an Riffen durch, die wasserseitig nordwestlich von der "Ilheu de Alcatraz" (Albatros-Inselchen; ja genau, Alcatraz = Albatros) beim "Ponta de Covinha" liegen. Ein Nachmittags- fast Nachttauchgang war auch dabei. In der Nacht bricht der Skipper den Anker aus dem Untergrund, das Schiff brummt, ächzt, Eisen kreischt. Um Mitternacht wird der Anker mehrfach überfahren, um ihn seemännisch korrekt auszubrechen; der Anker verhakte sich tief in einer plutonischen Gesteinsspalte. (Pluto will wohl - obwohl in Neptuns Reich - lieber den 365 kg Patentanker behalten, weil der doch auch hergestellt wurde mit den plutonischen Mächten von Eisen und Feuer.) Scan 1

8. Tag / Sa, 12.02.05 :

Wir fahren über Nacht, unter Schonersegel und Fock zur Ilha de Fogo, der Feuerinsel. Wir ankern und tauchen am "Ponta de Pescadeiro" (Treffpunkt der Fsicher). Dieser Tauchplatz verdient seinen Namen wirklich. Nahe unseres Tauchplatzes angeln die Fischer einen Fisch nach dem anderen in ihre kleinen, einfachen Holz-Ruderboote mit Hilfsmotor. Dann fahren wir weiter unter Motor, schauern uns vor dem gigantischen Asche- und Lavaberg, Berg1.jpg
begrünt aufgrund der Nebeltröpfchen, die der stetige Passat bringt. Wir ankern im Hafen von Sao Felipe und wir gehen einkaufen (Wasser, Brot, Cerveja Sagres) und übernachten schließlich dort. Beim Abendessen beschließen wir den Ausflug auf die Insel Fogo.

9. Tag / So 13.02.05 :

Fogo - Die ganze Insel ist ein einziger Vulkan, knapp 7.000 m mächtig, aufsteigend aus 4.000 m Meerestiefe, bis hinaus auf knapp 3.000 m NN. Wir müssen sie bringen, die Vulkantour, die Tauchpause dafür war lange genug. Wir genießen die überwältigend grausame Natur der Vulkaninsel, aus deren Schloten zuletzt am 02. April 1995 Magma, Gasaufbrüche, Ascheregen drängten und die Einwohner aus der Caldeira vertrieb. Sie sind zurück, bauen in der schwarzen Asche der Caldeira auf 2.100 m NN, in Mulden Kürbisse, Apfelbäume Weinreben, Kaffee, Mais, Kongobohnen an. Diese sind spezielle regionale Produkte, die nur von hier ausgehend angebaut, den marktwirtschaftlich wertvollen Namen "de Fogo" führen dürfen. Außerdem probieren wir Wein und Ziegenkäse in Cha Bom, lauschen der Furana-Musik in einem Ladenlokal. Das alles findet statt, eingehüllt in die feuchtkalte Nebelwolke, die immer den Caldeira-Krater - Wuchstopf durchzieht und die hier die notwendige Feuchtigkeit bringt. Für die Gewächse, die in bäuerlicher Kleinlandwirtschaft mühsam angebaut, geerntet und verarbeitet werden. Zusätzlich rasten wir oberhalb der Wolke in der "Pousada" (gemütliche Herberge in traditionellem Baustil) bei Pierre, einem Franzosen. Dort bewundern wir eine Gruppe von Vulkanwanderern, die den 7-stündigen Marsch zum Pico do Fogo (2.829 m) hinter sich brachte, froh, nun endlich die Bergschuhe auszuziehen. Wir übernachten noch einmal vor Anker beim Hafen von Sao Felipe. Gewalt

10. Tag / Mo, 14.02.05 :

Endlich geht's ab nach Brava. Nur mit dem Schonersegel kommt der Clipper auf 7,5 Knoten. Wir ankern in Brava-Süd, bei "Ponta Nho Martinho" und machen dort im Bereich des abgebrochenen Schädels ("Quebra Cabecas") zwei Tauchgänge. Danach fahren wir unter Motor nach Nordost und ankern im Hafen von Furna. Skipper.jpg
Beim Festmachen vor Anker einschließlich "backbords mit verkabeln an Land", helfen uns Fischer vom Schiffchen "Ana Doce"; alle Mann erhalten jeweils die "Ankergebühr", pro Mann eine Dose Sagres und Kekse. Das Fischerboot Ana Doce (klein und niedlich ist das Boot, nicht zu fassen, dass hier 7 Mann-an-Bord schaffen können) ist zur Ausfahrt bereit, um mit Netzen vor allem der Makrele nachzustellen. Am Abend beschließen wir für den Folgetag; eine Gruppe macht einen Inselausflug, die andere Gruppe geht tauchen.

11. Tag/ Die, 15.02.05 :

Die Ausflugsgruppe fährt nach Vila Nova Sintra, dem Ort, wo es den Menschen aus der Caboverdianischen Verwaltung, Inselgouverneuren und weiteren Cabo Verde VIP aufgrund des auskömmlichen Klimas, guten Baumbewuchs usf. ausgezeichnet gefällt. Wir wandern von der Inselhöhe hinunter auf die Nordseite nach Faja de Agua.
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Die hier vorhandenen und ganzjährigen Quellwasserspenden dienen über ein Pumpsystem zum Hochwasserbehälter und dann anschließender Ringleitung für die gesamte Wasserversorgung auf der Insel Brava. Die Tauchgruppe sucht die Tauchplätze an der Nordostküste von Brava zwischen "Baia de Pedrinha" und "Baia de Furna" beim "Ponta Jalunga" auf. Hier steht auch eine Windenergieanlage, die ausreicht, um den Elektrizitätsbedarf von Brava zu decken, gemeinsam mit Dieselgeneratoren. Abends entscheiden wir auf dem Boot, dass wir die letzten Tauchgänge im Bereich der Ilha de Brava durchführen wollen. Nachts gibt's für die Crew noch die Einladung vom Kapitän der "Massachusetts". Der fuhr 21 Jahre den Toern von USA nach Cabo Verde. Die Massachusetts war immer beladen mit Köstlichkeiten und Produkten (einschließlich TV / Video / PC / Pick Ups) für die daheim gebliebenen Familienmitglieder der Kapverdianer, die aus wirtschaftlichen Gründen, daher überwiegend befristet, auswanderten.

12. Tag/ Mi, 16.02.05 :

Wir lösen die Leinen, ankern auf und machen uns auf den Weg. Die beiden letzten Tauchgänge rund um Brava finden statt beim "Ponta Wahoo" (wer kennt ihn nicht, den blitzschnellen und saustarken "Raubfisch" Wahoo, der so gut schmeckt, ähnlich wie frischer Thun). Dies ist aufgrund der bergartig-runden Riffformation der orografisch schönste Tauchplatz, so entscheiden wir alle gemeinsam. Hinzu kommen die wirklich großen Fische, ob Makrelen oder Feilenfische (wegen der sehr rauen und widerstandsfähiger Haut, die er braucht gegen die Fische, die ihn so gerne aufessen würden) und die tanzenden Samtschnecken in großer Zahl und Vielfalt.
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13. Tag/ Do, 17.02.05 :

Wir liegen bei Sonnenaufgang zum Early Morning Dive wieder beim "Ponta do Pescadeiro", bewundern die Feuerinsel Fogo. Gestern abends, entschieden wir gemeinsam, hier die beiden allerletzten Tauchgänge im Bereich der Ilhas de Sotavento durchzuführen. Ölig glatt liegt der Atlantik und täuscht vor, keine Strömung.
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Ha, glatt gefehlt, so genossen wir wieder am selben Tauchplatz Sog- und Schwellereignisse, diesmal mit unter anderem vielen Muränen in Sorten und Farben, Pfeilkrabben, Putzergarnelen und Schwarzen und Grauen Korallen unter den Überhängen. P2130045.jpg
Los geht die lange Überfahrt zur Insel Santiago, Kurs 86°, wir kommen um Mitternacht im Hafen von Praia an, ankern auf der Ostseite der "Ilheu de Santa Maria", dort waren die Leprakranken seinerzeit untergebracht.

14. Tag / Frei, 18.02.05 :

Wir fahren mit dem Dinghi nach Praia, gehen entlang der Hafenchaussee, betrachten traurig das Wrack des Motorseglers "Witte Bank", die 2001 sank - falsch geankert? - und nun offenbar Zug um Zug abgewrackt wird. Wir erfreuen uns am Duft des Gemüse-, Gewürz-, Fisch- und Fleischmarktes und versuchen beim afrikanischen Markt, das eine oder andere Souvenir zu finden. Der Autor höchstselbst
Wieder auf dem Schiff geht's an das Packen / Heranführen des Clippers, näher zum Land hin, damit keiner Welle Nässe das Gepäck überströmt / Überfahrt an Land / Taxifahrt zum Flughafen / Abschlussrunden mit Karsten. imm015_23A.jpg

15. Tag / Sa, 19.02.05:

Kurz nach Mitternacht steht der Turbo-Prop mit uns auf der Bahn, er will starten. Aber es ist sicher nicht Eliane's noch eingeschaltetes Handy, das uns einen Ausstieg und nach 1,5 Stunden Wiedereinstieg und Flug nach Sal verschafft. Dort, am Internationalen Flughafen Amilcar Cabral erwarten uns Karin und Holger, sichtlich geschafft von ihrer lang andauernden Reise, an diesem 18. und 19. Februar. Wir fliegen nach München und verabschieden uns voneinander, mehr oder weniger gelassen. Die einen wollen noch rasch in die Schweiz, die anderen nach Antalya, Düsseldorf, Köln/Bonn, Nürnberg, Berlin oder Hamburg, oder z. B. Sabine, sie will noch weit fahren mit dem PKW, in die Rhön und dann weiter nach Aachen. Fraumann, war das alles Schön.
Grüße Andreas

Nachsatz

Und mit Begleitung von Karsten oder Rollo oder Karin, steckte und löste mit großer Sorgfalt TL***-Holgi immer und schließlich knapp 20-mal, die gut vertäute Spillanker-Mooring zum Ab- und Auftauchen an den Riffen.
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Dafür ein herzliches Dankeschön, was auch gilt für seine Aufmerksamkeit für alles, was da kräucht, schwimmt und schwebt (Venusgürtel). Hierzu gehören auch der ruhende Pottwal, beim Ponta Wahoo (Fogo-Ost)und die unter dem Prof-Dinghi tänzelnden Mantas, beim Ponta de Janela (Santiago-West).24.jpg