Wenn Teufel frieren

Acht Seeteufel trotzten beim Neujahrsschwimmen der DLRG zwischen Rheinkniebrücke und Sportboothafen Lörick den Temperaturen. Diesmal kehrte er nicht um. Wolfgang Daniels besann sich seines Vorhabens, trat trotz Flossen an Füßen einen entschlossenen Schritt und war dabei. Mehr als sechs Kilometer sollten vor ihm liegen, das Wasser dabei halb so kalt wie die Entfernung weit. Vielleicht waren es aber auch vier Grad. Das Jahr zuvor war Wolfgang noch umgekehrt mit einer Begründung, die Gattin Gudrun bei der 43. Auflage des Neujahrsschwimmens 2008 der DLRG im Jahr nicht mehr referieren konnte.

Aber diesmal sollte keiner kneifen von den Seeteufeln, nicht einmal Georg, der kurz vor dem Start versuchte, sich von seiner Gattin klammheimlich die Taucherbrille mit Sehstärken zustecken zu lassen. Er hatte sie natürlich vergessen. "Er vergisst immer etwas", wusste Gudrun zu berichten. Also stieg die komplette Fraktion des TSC Seeteufel ins Wasser.

Acht von rund 300 Teilnehmern stellte der TSC, ausgestattet mit Dreizack, Teufelshörnern und knalligen T-Shirts mit Vereinsnamen auf dem Rücken und dem Vereinslogo auf der Brust. Für vier der Teufel war es eine Premiere, streng genommen für drei, Wolfgang war ja schließlich vergangenes Jahr schon am Wasser. Er war halt nur nicht reingegangen. Edeldebütanten waren Bernd, Thorsten und Max, die alle wohl wenig ahnten was auf sie zukam. Gudrun, Georg, Christian und Caro hingegen wussten, was auf sie zukam.

Begonnen hatte alles an der Gerätehütte des Vereins, Treffpunkt der neun TSCler, von wo aus der Tross sich zum Löricker Sportboothafen aufmachte, wo es fast zu der Rasur eines Geländewagens kam, dessen auf der Dach befindliche Skibox nicht unter dem Tor des Parkplatzes hindurchgepasst hätte. Die Wartezeit am Sportboothafen überbrückten die Teufel mit einem Frühstückbüffet im Freien. Einige wechselten von Winterpullover in Tauchanzug am Auto, andere suchten die nahe gelegenen Zeltumkleiden der DLRG. Mit dem letzten Bus, der vom Sportboothafen losfuhr, erreichten schließlich acht Seeteufel den Startpunkt bei der Rheinkniebrücke. Wolfgang hatte einen Bus früher genommen.

Pünktlich mit der von Anfang an angekündigten Verspätung von 15 Minuten ging es dann ins Wasser. Und es war kalt. Zumindest an all den Stellen, in die es eindringen konnte. Die Teufel waren ausschließlich mit Halbtrockis unterwegs und durch einige Ritzen konnte es bei einer falschen Bewegung kalt hineinfließen. Der Spazierschwimmgang bot nur wenig Grund für Anstrengungen und viel Zeit für Blicke auf den Schlösserturm, die Tonhalle und das Niederkasseler Rheinufer. Passanten begleiteten die Schwimmer, so sie denn schnell genug waren. Denn obwohl es für die Schwimmer aussieht, als bewegten sie sich kaum, sobald sie auf's Wasser schauen, strömt der Rhein hier doch mit einer erheblichen Geschwindigkeit, immerhin werden die sechs Kilometer in gut 50 Minuten zurückgelegt.

Auf dieser Strecke verloren sich die Teufel für eine Weile aus den Augen, bis ein Stück vor dem Ziel, sich die Gruppe wiederfand und Zeit für eine erste Inventur war: Wolfgang hatte keine Hörner mehr auf dem Kopf und irgendwie störte ihn das gar nicht. Die Konzentration galt sowieso bald den letzten 200 Metern, denn nach der letzten scharfen Linkskurve hinein ins Hafenbecken musste mit Muskelkraft die Stecke bewältigt werden. Erst jetzt wurde den Debütanten restlos klar, wie viel Arbeit die Strömung vorher den Schwimmern abgenommen hatte. Aber im nun sonnigen Licht unter den Blicken der Zuschauer fiel es doch etwas leichter.

Was blieb, war ein Glühwein oder heißer Tee, eine Medaille und die Erinnerung an einen einzigartigen Schwimmausflug, bei dem beim Umziehen am meisten gefroren wurde. Und Wolfgangs Hörner. Die hatte eine Schwimmerin gefunden. Absichtserklärungen fürs nächste Jahr: Acht Teilnehmer wollen wieder dabei sein.

Text: Thorsten Firlus

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